Historia Occidentalis

Ein Blog zur Zentraleuropäischen Geschichte

Monat: Juli 2019

Der Deutsche Kriegsplan 1914

Planung 1905 und Verlauf 1914

Einleitender Beitrag: Die Häresie des Schlieffen – Plans


In diesem Beitrag geht es im Wesentlichen, im Anschluss an den vorigen Artikel, um Dokumente aus der neuen Studie des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes (MGFA) von 2007, “Der Schlieffenplan: Analysen und Dokumente“, editiert von Michael Epkenhans, Hans Ehlert and Gerhard P. Groß. (Rezension 1, Rezension 2).

Alliierte Rücküberquerung der Marne am 9. September

Bestimmte Dokumente liegen nun erstmals im Wortlaut vor. Es sei zuerst das primäre und wesentlichste dieser Dokumente vorgestellt, der nun vorliegende tatsächliche “Mobilisierungs – Termin – Kalender 1914/15“:


Mob.-Termin-Kalender 1914/15.

Allgemeine Angaben über den Aufmarsch und die politischen Verhältnisse.

1. Deutschlands Kriegsvorbereitungen richten sich in erster Linie gegen Frankreich. Russland wird sich wahrscheinlich Frankreich in einem Krieg gegen Deutschland anschließen; auch ist mit Feindseligkeiten englischer Seite zu rechnen.

Auf einen Krieg Deutschlands mit Russland oder England allein ist mit Rücksicht auf sie französische Volksstimmung nicht zu rechnen. Erklärt Russland oder England den Krieg dennoch allein, so muss die deutsche Diplomatie Frankreich zur endgültigen Stellungnahme zwingen. Über Belgien, Holland, Luxemburg, Dänemark usw. vgl. I. Ziffer 13.

Für den Fall eines Krieges gegen Russland sind mit dem österreichisch-ungarischen Generalstab Vereinbarungen für eine Gesamtoffensive nach Russland getroffen.

Italien wird sich voraussichtlich Deutschland in einem Krieg gegen Frankreich anschließen. Der italienische Generalstab hat sich verpflichtet, in den ersten Mob.-Tagen 2 {?} Kav.-Divisionen und im Anschluss daran eine Armee von 3 Armeekorps mittels Eisenbahn über Österreich nach Süddeutschland zu führen. Im Übrigen ist auf das Eingreifen der italienischen Hauptkräfte an der französischen Alpengrenze zu rechnen.

Auch mit anderen Staaten sind Vereinbarungen getroffen, von denen der Chef des Generalstabs der Armee, Q.Q. I und der Chef der 2. {…} Kenntnis haben.

Deutschland kann nur sein gesamtes Heer mobil machen; teilweise Mobilmachungen sind bei dem Ineinandergreifen der Mobil.-Vorarbeiten aller Armeekorps ausgeschlossen.

Die deutsche Armee stellt bei einer Mobilmachung auf:

a) das Feldheer, bestehend aus 26 Armeekorps, 13 Reservekorps, 1 Reserve-Division (3. Reserve Division), 11 Kav.-Divisionen (Garde 1 – 9, bayrisch), 1 Landwehr-Korps, 24 1/2 gemischte Landwehr-Brigaden,

b) die Kriegsbesatzungen und Besatzungstruppen. Das Zusammenfassen der “zu etwaiger mobiler Verwendung bestimmten Ersatzformationen” zu einer Ersatzarmee (G. IV. VIII. X. XIX. bayerische Ersatzdivisionen, 55 gem. Ersatzbrigaden XIV) in Vorbereitung; vgl. Ziff.3.

Außerdem wird bei einer Mobilmachung der Landsturm aufgeboten. Der Grenz- und Küstenschutz treten im ganzen deutschen Reich in Kraft.

3. Es ist nur ein Aufmarsch vorbereitet, bei dem die deutschen Hauptkräfte an der Westgrenze gegen Frankreich aufmarschieren.

Der zur Ablenkung des Aufmarsches der südwestlich Metz aufmarschierende Heeresteil kann unter Umständen nötig werden. Für den Fall des frühzeitigen Einfalls überlegener französischer Kräfte nach Lothringen ist zu erwägen, ob Aufmarsch 6. Armee in Linie St. Av.-Saaralben-Pfalzburg zurückzuverlegen ist.

Im Osten bleibt die 8. Armee (4 Korps, 1 Reserve-Division, 1 KD-Landwehrkorps, 3 gemischte Landwehrbrigaden) zurück. Die 8. Armee marschiert entweder sofort gegen Russland oder bleibt unter planmäßiger Durchführung der Mobilmachung sowie des Grenz- und Küstenschutzes in den östlichen Korps-Bezirken zurück, bis über ihre weitere Verwendung Bestimmung getroffen werden kann.

Bleibt Russland dauernd neutral, so wird die 8. Armee evtl. gegen Frankreich eingesetzt. Ihr Abtransport ist vorbereitet.

In Schleswig-Holstein werden nach Beendigung der Mobilmachung, als “Nordaufmarsch” zusammengezogen das IX. K mit den 2 Landwehrkommandos 1 IX (33. 34. 37. 38. gemischte Landwehr-Brigaden). Tritt eine Bedrohung der deutschen Küste nicht ein, so wird das IX. K. und unter Umständen auch die Nordbrigade nach einem anderen Kriegsschauplatz beordert.

Die Ersatzarmee kann geschlossen oder geteilt auf dem westlichen, östlichen oder nördlichen Kriegsschauplatz verwendet werden. …

13. In einer Gesamtbesprechung der Chefs des Generalstabs der Armee mit dem Reichskanzler, dem Auswärtigen Amt, K.M., Militärkabinett und Chef des Admiralstabs sind die voraussichtlichen Gegner und die Haltung der verbündeten und neutralen Mächte in einem Kriegsfall festzustellen, evtl. festzustellen, ob mit der Überführung französischer Streitkräfte von Häfen der afrikanischen Mittelmeerküste nach Frankreich zu rechnen ist.

Mit dem Reichskanzler und Auswärtigen Amt muss mündlich vereinbart werden, dass sofort nach Ausspruch der Mobilmachung folgende Forderungen gestellt werden:

a) an Belgien

Die belgische Regierung hat sich bis zum 2. M.-Tag, 6 Uhr abends, zu entscheiden, ob Belgien Deutschlands Freund oder Feind sein will oder ob Belgien als neutraler Staat den Durchmarsch deutscher Truppen gestatten, die Festungen L. [Liège?], Huy und Namur sofort dem deutschen Heer öffnen, die Eisenbahnstrecken {…} uns zur Verfügung stellen und die belgische Armee nicht mobilisieren will. Tritt Belgien auf Deutschlands Seite, so muss es den Durchmarsch des deutschen Heeres mit allen Mitteln erlauben, Namur gegen etwaigen Handstreich der französischen Armee halten und englische Landungen verhindern. Ein Hinausschieben der Antwort der belgischen Regierung darf nicht zugelassen werden.

b) an Holland:

Englische Landungen müssen verhindert werden, Das deutsche Heer darf die holländische Neutralität beschränken {?}. (Über den Durchmarsch durch den holländischen Zipfel um Maastricht vergl. Ziffer 71 d). Wenn 2. Armee von einem Handstreich auf L. Abstand nimmt, sofortige Verhandlung mit Holland wegen ungehinderten Durchmarsches durch den Zipfel.

c) an Luxemburg:

Der Durchmarsch muss gestattet, die Eisenbahnen müssen geschützt und zur Verfügung gestellt werden.

d) an Dänemark:

Englische Landungen sind zu verhindern.

10. M.-Tag und folgende:

Über die Verwendung der italienischen Armee ist Entscheidung zu treffen. Es kommt wohl in Frage:

Vorgehen im unmittelbaren Anschluss an die 6. und 7. Armee

Vorgehen gegen die Sperrfort-Linie zwischen Epinal und Belfort

Für die Deckung der linken Flanke der italienischen Armee bei ihrem Vorgehen über die Vogesen nach Frankreich durch die Deckungstruppen am Oberrhein ist Sorge zu tragen.

Dem deutschen Aufmarsch gegen Frankreich liegt folgende Absicht zugrunde:

  1. Die Hauptkräfte des deutschen Heeres sollen durch Belgien und Luxemburg nach Frankreich vorgehen. Ihr Vormarsch ist – sofern die über den französischen Aufmarsch vorliegenden Nachrichten zutreffen – als Schwenkung unter Festhalten des Drehpunktes Diedenhofen-Metz gedacht. Maßgebend für das Fortschreiten der Schwenkung ist der rechte Heeresflügel. Die Bewegungen der inneren Armeen werden so geregelt werden, dass der Zusammenhang des Heeres und der Anschluss an Diedenhofen-Metz nicht verloren geht.
  2. Den Schutz der linken Flanke der Hauptkräfte des Heeres sollen – neben den Festungen Diedenhofen und Metz – die südöstlich Metz aufmarschierenden Heeresteile übernehmen.
  3. Für den Vormarsch der 1. und 2. Armee müssen die Marschstraßen durch Lüttich offen sein. Gestattet Belgien den Durchmarsch des deutsche Heeres, so wird der Kommandierende General X. A.K. mit frühzeitig marschbereiten und vorausbeförderten Truppen Lüttich besetzten. – Widersetzt sich Belgien, so kommen für die Wegnahme von Lüttich folgende Fälle in Betracht:

a: der Handstreich mit frühzeitig marschbereiten und vorausbeförderten Truppen unter dem Kommandierenden General X. A.K.

b: der Handstreich mit starken Kräften unter dem Oberkommando der 2. Armee

c: der belagerungsmäßige Angriff

Der 2. Armee stehen für die Unternehmungen gegen Lüttich alle Straßen südlich der holländischen Grenze zur Verfügung … . Sobald Lüttich genommen ist, wird die 2. Armee die für die 1. Armee bestimmten Marschstraßen räumen … . Gelingt es der 2. Armee bis zum 12. Mob.Tag nicht, die durch Lüttich gesperrten Vormarschstraßen zu öffnen, so wird sie den planmäßigen Angriff gegen diese Festung durch Reserve- und Belagerungsformationen einleiten und südlich Lüttich herum vormarschieren. Der Vormarsch der 1. Armee soll alsdann – aber erst auf ausdrücklichen Befehl der Obersten Heeresleitung – durch holländisches Gebiet erfolgen.

4. Der Beginn des allgemeinen Vormarsches der deutschen Hauptkräfte wird angeordnet werden, sobald die 1. und 2. Armee in Höhe von Lüttich bereitstehen.

Der Herr Kav.-Kommandeur 2 mit zugeteilten Jägerbataillonen tritt alsdann unmittelbar unter die Oberste Heeresleitung und wird Befehl erhalten, nördlich Namur vorbei gegen die Linie Antwerpen-Brüssel-Charleroi vorzugehen, um den Verbleib des belgischen Heeres, eine etwaige Landung englischer Truppen und ein etwaiges Auftreten französischer Kräfte im nördlichen Belgien festzustellen. Er wird ferner den Auftrag erhalten, nördlich an Namur vorbei Einblick in die Gegend westlich der Maas, Strecke Namur-Givet, zu gewinnen und den linken französischen Heeresflügel festzustellen. Der Herr Kav.-Kommandeur wird angewiesen werden, das Oberkommando der 2. und 1. Armee mit Nachrichten zu versehen; seine Meldungen an die Oberste Heeresleitung sind unverzüglich weiterzugeben.


Wird fortgesetzt …

Einleitender Beitrag: Die Häresie des Schlieffen – Plans

(© John Vincent Palatine 2019)

Aufrufe: 223

Drusilla und ihr Bruder Caligula

caligula.org

Die historische Iulia Drusilla (meist nur Drusilla genannt; geboren am 16. September AD 16 bei Confluentes (heute Koblenz); verstorben am 10. Juni 38) in Rom, war als Schwester des Kaisers Caligula römische Kaiserin und eine Angehörige der iulisch-claudischen Dynastie. Ihre Eltern waren Germanicus und Agrippina die Ältere, und sie war die Schwester von Julia Livilla, Agrippina der Jüngeren, Nero Julius Caesar, Drusus und Gaius Caligula. Sie war eine Urenkelin von Augustus, Großnichte von Tiberius, Nichte von Claudius und Tante von Nero.

YouTube Video

Wie wir schon bei mehreren Mitgliedern der Familie festgestellt haben, ist ihr Ruf durch das negative Bild, das zeitgenössische Historiker vom dem gesamten Clan gemalt haben, stark beeinträchtigt. Es scheint klar zu sein, dass sie die Favoritin ihres Bruders Caligula war, und die skandalösen Zungen, von denen es jede Menge gab in Rom, schrieben ihr – wie auch ihren Schwestern – inzestuöse Beziehungen zu Caligula zu. Dieser hatte eindeutig mehr als brüderliche Gefühle für seine Schwestern, denen er die Privilegien von Vestalinnen verlieh und ihre Gesichter auf Münzen prägen ließ. Auf deren vestalische Pflicht zur Keuschheit, jedoch, schien der Imperator keinen Wert zu legen.

Wie viel von den Gerüchten wahr ist, wissen wir nicht. Es ist möglich, dass Caligula, der, wie wir wissen, ein paar Schrauben locker hatte, versuchte, das Muster seiner römischen Abstammungslinie nach einem Vorbild zu verändern, das den hellenistischen Monarchen der ptolemäischen Dynastie entsprach – in denen Ehen zwischen gemeinsam regierenden Brüdern und Schwestern an der Tagesordnung waren. Seine Verachtung für die römische Elite mag in einem solchen Schema eine Rolle gespielt haben. Was genau im königlichen Schlafzimmer geschah, war nicht öffentlich bekannt, es stellten jedoch einige Beobachter fest, dass der Kaiser die weibliche Ehrenposition bei den kaiserlichen Abendessen immer für Drusilla reservierte, nicht für ihre Schwestern oder seine Frauen, was sie als sicheres Zeichen für seinen Despotismus ansahen.

Sie starb an der einen oder anderen der Epidemien, die Rom in diesen Zeiten plagten. Ihr Bruder, der ihr Krankenbett angeblich nie verlassen hatte, machte sie posthum zur Augusta und ließ sie vom Senat per Dekret als Diva (im römischen Sinn) Drusilla zu einer Göttin erklären, gleichgestellt mit Venus bzw. Aphrodite.

Für uns lebt sie weiter als Person im Film und Fernsehen – so in der britischen Fernsehserie Ich, Claudius, Kaiser und Gott, in der sie von Beth Morris dargestellt wurde, beziehungsweise, etwas, hm, freizügiger, in dem notorischen Film Caligula (Link zum Film – nur zur Dokumentation), gespielt von Teresa Ann Savoy.

Wie man in den frühen Filmposter oben sehen kann, wurde ursprünglich Maria Schneider – bekannt aus Der letzte Tango in Paris – für die Rolle verpflichtet.

Zu diesem skandalösen Film gibt es eine sehr umfangreiche Website, die tief in die Mythen und rechtlichen Probleme des Films eintaucht, ausführlich informiert und nie zuvor veröffentlichte Informationen und Bilder in Hülle und Fülle beinhaltet (caligula.org). Siehe:

  1. Teresa Ann Savoy, Anneka Di Lorenzo, Lori Wagner
  2. Valerie Ray Clark
  3. Anneka di Lorenzo and Lori Wagner
  4. Suzanne Saxon and Carolyn Patsis

(© John Vincent Palatine 2019)

Aufrufe: 101

Präsentiert von WordPress & Theme erstellt von Anders Norén

%d Bloggern gefällt das: