Hilde Krüger

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Katharina Mathilde Krüger kam entweder am 9. November 1912 in Köln-Kalk zur Welt oder, wie andere Quellen behaupten, am 11. September 1914 in Berlin. Ihre wohl erste erhaltene Filmrolle zeigt sie in dem antisemitischen UFA-Streifen Nur nicht weich werden, Susanne! woraufhin Joseph Goebbels zu ihrem Gönner oder auch Liebhaber wurde – der “Bock von Babelsberg” nahm es mit der Trennung von dienstlichen und privaten Dingen nicht immer so genau.

Obwohl sie in ca. einem Dutzend anderer UFA – Produktionen weitere Rollen spielte, ging sie 1940 nach Hollywood und mietete sich im Hotel Beverly Wilshire ein, wo, wie der Tratsch es besagte, ihr erster Gönner J. Paul Getty die Rechnungen bezahlte. Ihr Lover war der reichste Mann der Welt, fünfmal verheiratet und offensichtlich kein Kostverächter. Nazi-Sympathisant war er auch.

Aber die Schauspielerei hob nicht recht ab. Ihr Englisch liess zu wünschen übrig, ihre Schauspielerei vielleicht auch. Sie freundete sich ersatzweise mit einem Herrn Gert von Gontard an, der als Erbe der Brauerei Budweiser ebenfalls über das nötige Kleingeld verfügte und lebte mit ihm ein Jahr lang.

Wir wissen nicht was dann genau geschah – vielleicht wurden dem Paar die Nachstellungen der amerikanischen Polizei zu lästig oder es gab Beziehungsstress – aber irgendwann 1940 wurde sie von der deutschen Abwehr angeworben und nach Mexiko geschickt, das aufgrund seines Öls für die deutsche Kriegswirtschaft interessant war. Da 1938 Mexikos Präsident Lazaro Cárdenas in niederträchtiger Weise alle ausländischen Ölfirmen verstaatlicht hatte, hatten die ehemaligen Besitzer, England, die USA und Holland ein Embargo auf mexikanisches Rohöl verhängt und seither gingen zwei Drittel der Produktion nach Deutschland.

Ihr Grenzpassierschein vom 9.2.1941

So kam es, dass Frau Krüger am 9. Februar 1941 am Grenzübergang Nuevo Laredo auftauchte, in ihrem Gepäck ein Empfehlungsschreiben von ihrem guten Freund Mr. Getty. In Nullkommanix hatte sie sich in der besten Gesellschaft der Hauptstadt eingelebt und die Generäle, Wirtschaftsmanager und Politiker des Landes fielen der wasserstoffblonden Nazi-Geheimwaffe reihenweise zu Füßen. Ihre erste Eroberung war Ramón Beteta, Staatssekretär im Finanzministerium, doch bald wurde sie die Geliebte des Innenministers und späteren mexikanischen Präsidenten Miguél Alemán. Der gute Herr
Alemán besorgte ein Liebesnest und besuchte sie fast jede Nacht, was die FBI-Agenten peinlich genau notierten. Ebenfalls unterhielt Hilde Kontakte zu dem General Juán Almazán und Außenminister Ezekiel Padilla. Die Regierung fraß ihr aus der Hand. Als Quid pro Quo arrangierten ihre Gönner Rollen in mehreren mexikanischen Filmen.

Nach einem Jahr wurde sie auf Betreiben der USA festgenommen, kam aber jedoch bald durch die Fürsprache ihrer Gönner wieder frei. Sie heiratete kurzerhand einen Herrn Nacho de la Torre, den Enkel des ehemaligen Präsidenten Porfirio Díaz und umging dadurch die Ausweisung.

Liebhaber: Getty, Betana, Alemán, Padilla, Andreu, Almazán

Und die Spionage? Der Innenminister gab ca. 300 Visa an deutsche Spione aus, kriegswichtiges Quecksilber wurde im Hafen von Veracruz auf deutsche U-Boote verladen und soviel Öl über Panama geschmuggelt wie die Pumpen nur förderten.

Julio Lobo Olavarría

Bis 1946 lebte sie mit ihrem Mann in Saus und Braus, doch bald, nachdem ihr alter Freund Alemán Präsident wurde, tauschte sie ihren Playboy Torre gegen ein schwereres Kaliber ein, den Venezolaner Julio Lobo Olavarría, den Zuckerkönig von Kuba, mit dem sie nach Spanien ging. Aber die nachfolgende Ehe hielt nur ein Jahr lang. 1958 tauchte sie noch einmal im deutschen Kino auf, in der Schweizer Schmonzette “Eine Rheinfahrt, die ist lustig“.

UFA Filmplakat 1935

Auf YouTube existiert eine Dokumentation der Nazi-Spionage in Mexiko, “La red nazi en México” von Sebastián Gamba, Mexiko 2010, leider nur im spanischen Original (Link).

Sie starb 1991 bei einem Heimatbesuch oder 2008 in New York, niemand weiß es genau. Insgesamt machte sie vierzehn Filme in Deutschland, vier in Mexiko und einen in der Schweiz.

(© John Vincent Palatine 2019)

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