Das 76. Füsilierbataillon in the Schlacht von Loigny am 2. Dezember 1870

Wenn wir über moderne Kriegsführung nach 1800 sprechen, fällt immer der Ausdruck “Division “. Aber was genau ist eine „Division“? Untersuchen wir dieses Konzept am Beispiel des Ersten Weltkriegs:

Notabene: Dieser Beitrag bezieht sich auf „Division“, wie das Wort im Landkrieg verwendet wird. Es kann in anderen Zusammenhängen sehr unterschiedliche Bedeutungen haben. Bei Seestreitkräften hat die Benutzung des Begriffes „Division“ oft eine ganz andere Bedeutung, die sich auf entweder eine administrative oder funktionelle Untereinheit einer Abteilung (z.B. die Feuerkontrolldivision der Waffenleitstelle) an Bord von Marine oder Küstenschutzschiffen beziehen kann, oder auf Marineflieger-Einheiten, zu einer Untereinheit von mehreren innerhalb einer Flotte oder Fliegerstaffel, oder auf zwei oder drei Gruppierungen von Flugzeugen unter einem bestimmten Kommandoführer. Einige Sprachen wie Russisch, Serbokroatisch und Polnisch, verwenden das ähnliche Wort „Divizion“ bzw. „Dywizjon“ für ein Bataillon als größte Artillerie oder Kavallerie-Formation der jeweiligen Einheit.

Die Aufteilung der Armeen in ‚Divisionen‘ wurde Praxis während der beiden Französischen Koalitionskriege (Frankreich gegen das konterrevolutionäre Österreich, Russland und Preußen) in den 1790er Jahren und der anschließenden napoleonische Ära, in denen Armeen aufgeteilt werden mussten, um sich gegen oder Angriff mehr als eines Feindes zu verteidigen oder zu bestimmten Zeitpunkten taktische Aufgaben zu erfüllen, wie Flankenangriffe oder Einkesselungsmanöver. Im Gegensatz zu den Kabinettskriegen des vorherigen Jahrhunderts, die zumeist lokal begrenzt waren, musste die französische Revolutionsarmee an verschiedenen fronten zugleich operieren, wodurch sich die Schaffung einer zusätzlichen Kommandoebene zwischen Armeeführung und Regiment als notwendig erwies.

Das System zeigte Kinderkrankheiten – manchmal gelang es, Divisionen von ihren Nachbarn zu trennen und einzeln zu vernichten und so wird es im allgemeinen Napoleon zugeschrieben, das Armeekorps als weiter übergeordnete Führungsebene eingeführt zu haben.

Die Definition einer ‚Division” ist, dass es die kleinste Untereinheit einer Armee ist, die unabhängigen Aufgaben erfüllen kann, d.h. die kleinste Einheit, die alles besitzt, um einen eigenen kleinen Krieg zu führen. Daraus folge, dass eine Division mehr als Soldaten, Waffen und Munition haben muss: sie muss einen Führungsstab haben, Ingenieure bzw. Pioniere, Signal- bzw. Nachrichtentruppen, Versorgungstruppen, einen Sanitätsdienst, ein Krankenhaus, ein Postamt, Küchen, Wäschereien, einen Kartenraum und so weiter.

Organisationsplan

Bis 1915 waren in der deutschen Armee die Spezialtruppen – Fernsprech-Abteilungen, Flak-Züge, Pionier-Bataillone, Minenwerfer-Kompanien, Sanitäts-Kompanien, Feldlazarette, Kraftwagen-Kolonnen, Pferde-Lazarette, Jäger, Fußartillerie und Train etc. – nicht der Division direkt, sondern dem übergeordneten Armeekorps als Korpstruppen unterstellt. Dies erwies sich im Kriegsfall jedoch als unpraktisch, und wurde geändert. Ebenfalls stellte sich im Weltkrieg, zumindest im Stellungskrieg an der Westfront, schnell heraus dass Kavallerie dort im Prinzip überflüssig war – die vorhandenen Einheiten wurden verkleinert bzw. an die Ostfront verlegt, wo ihre traditionelle Funktion der Aufklärung eher noch verwendet werden konnte. Aufgrund der allerhöchsten Wünsche seiner Majestät Wilhelm II wurden noch bis in die Kaisermanöver von 1913 unsinnige Kavallerieangriffe geübt, die sich in der Praxis ab 1914 jedoch als Massenselbstmord per Maschinengewehr erwiesen.

Kavallerieattacke Kaisermanöver 1913

Es gab durchaus, zumindest anfangs, seltsame Bräuche. Die Garde der preußischen Divisionen wurde z.B. nach Körpergröße geordnet.

Die Zahlen gaben die Körpergröße über 1 Meter an …

Im Ersten Weltkrieg bestand ab 1915 eine voll ausgerüstete deutsche Infanteriedivision, zumindest theoretisch, aus folgenden Truppen:

4 Infanterieregimentern mit jeweils 3000 Mann; jedes Regiment bestehend aus 3 Bataillonen von jeweils 1000 Mann; jedes Bataillon bestehend aus 4 Kompanien von jeweils 250 Mann; insgesamt 12.000 Infanteristen;

1 Artillerieregiment, bestehend aus 12 Feldbatterien von je 6 x 135 mm Kanonen und 2 schweren Batterien mit jeweils 4 x 155 mm Kanonen (einige Divisionen hatten ein zusätzliches Schweres Haubitzen-Bataillon mit 16 x 150 mm Haubitzen);

2 Kavalleriebrigaden mit jeweils 680 Säbeln, manchmal unterstützt durch zwei eigene Geschützbatterien und einer Kompanie mit 6 schweren Maschinengewehren; da sich die Kavallerie an der Westfront als eher überflüssig erwies, wurde sie dort stark verkleinert – oft blieb nur eine Eskadron übrig. Mache Kavallerietruppen wurden aufgelöst und die Pferde den Nachschubtruppen zugeteilt. Kavallerie spielte eigentlich nur an der Ostfront als Aufklärungstruppe eine Rolle.

1 Staffel Aufklärungsflugzeuge mit sechs Maschinen, Piloten und Mechanikern;

1 Artillerie-Brigade zbV. nach dem Ermessen des Divisionskommandeurs (54 leichte 77 mm Kanonen und 18 135 mm Geschütze);

1 schwere MG-Kompanie mit 6 MGs;

1 Haubitzenbataillon mit 18 105 mm Geschützen;

Dazu Divisionstruppen und Unterstützungspersonal:

1 Battalion Pioniere;
1 Signal- und Nachrichtenabteilung mit 2 Kompanien;

1 Quartiermeisterzug mit 2 Kompanien;

1 Verwaltungskompanie;

2 Küchenkompanien (Metzger, Bäcker, Köche);

1 Feldpostamt;

1 Sanitätskorps, bestehend aus 2 Krankenhauskompanien und 4 Transportkompanien;

1 Veterinärkompanie;

1 Divisionsstabskompanie mit 4 Stäben: Kommandant, Operationsoffizier (Ia), Versorgungsoffizier (Ib) und Nachrichtenoffizier (lc);

1 Kartenraum;

1 Musikkorps und

1 Kompanie Feldpolizei (MP).

Infanterie zu Beginn des Krieges

Eine komplette Infanteriedivision bestand also aus rund 20.000 Menschen, 7.000 Pferden und einem Zug von 1.200 Versorgungswagen. Doch eine Division, die alle diese Truppen tatsächlich besaß, müsste sich in der Tat glücklich nennen – nach der ersten Schlacht mussten sich die meisten Divisionen mit der Hälfte dieser Zahlen behelfen – oder weniger. In der Praxis – nach den großen Verlusten der ersten Wochen – stellten Generalstäbe gleich ganze Korps ab, um die unabhängigen taktischen Rollen zu übernehmen, die einzelnen Divisionen vor der Schlacht zugewiesen worden waren.

Offiziere an der Ostfront

In Bezug auf die vertikale Zusammensetzung bildeten zwei Divisionen ein Korps und zwei Korps eine Armee. In der Praxis, als sich der Krieg hinzog und viele Einheiten mit kleineren Zahlen auskommen mussten, neigten Korps zu rascher Vergrößerung, manchmal bis zu vier Divisionen. Verluste hatten die durchschnittlichen Divisionsstärken schnell halbiert. Wenn ganze Divisionen nicht verfügbar waren oder aufgeteilt werden mussten, wurden Infanteriebrigaden gebildet, halbe Divisionen – zwei Regimenter Infanterie und was immer an Artillerie zur Verfügung stand.

Jedes Land wich von der Regelung in charakteristischer Weise ab. Französische Divisionen waren mit einer ganzen Brigade aus vorher festgelegten Reserven ausgestattet und während ihre Feldartillerie, die 75 – mm – Kanone , sich als ausgezeichnet erwies – besser als das deutsche 77 mm Modell – waren sie in der Regel in den größeren Artilleriekalibern schwächer. Britische Divisionen waren etwas größer und kompensierten einen anfänglichen Mangel an Maschinengewehren mit ausgezeichneter infanteristischer Treffsicherheit. Russische Divisionen – zumindest während der frühen Feldzüge – waren riesig, da sie nicht nur drei, sondern vier Infanterie-Regimenter besaßen, also sechzehn Bataillone statt zwölf. Amerikanische Divisionen waren in der Tat kolossal, etwa doppelt so groß wie deutsche.


(© John Vincent Palatine 2015/19)

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